Geschäftsbericht 2025

Das Geschäftsjahr 2025 38 39 Das Geschäftsjahr 2025 Neubauprojekt Rottachstraße 22–24 2 Bezahlbarer Wohnraum ist in deutschen Städten knapper denn je. Zwischen 2010 und 2024 stieg der Mietpreisindex in bayerischen Mittelstädten um durchschnittlich über 50 % – eine Entwicklung, die auch Kempten nicht unberührt lässt. Das Sozialbau-Bestandsgebäude in der Rottachstraße 22–24 war aus technischen und wirtschaftlichen Gründen nicht sanierungsfähig. Die Überplanung des Grundstücks zielt darauf ab, einen fünfgeschossigen Ersatzneubau mit 29 Wohneinheiten zu errichten – vollständig dem sozialen Wohnungsbau gewidmet. Seriell gebaut, gezielt gefördert Geplant ist eine Hybridbauweise aus Holz, Beton und Trockenbau mit hohem Vorfertigungsgrad. Das Abbruchmaterial des Bestandsgebäudes wird aufbereitet und als Gründungssohle wiederverwendet – „Urban Mining“ nennt sich dieses Prinzip, das kostenintensive Entsorgung vermeidet und den CO2-Ausstoß des Projekts spürbar reduziert. Grundlage der Projektierung war die Rahmenvereinbarung „Serielles Bauen“ des Verbands der Wohnungswirtschaft (VdW). Voraussetzung für die Umsetzung ist die Bewilligung von Fördermitteln nach dem Bayerischen Wohnraumförderprogramm; Zusagen lagen zum Zeitpunkt der Berichtserstellung noch nicht vor. Wohnungsmix, Energiestandard, Zeitplan Der Wohnungsmix orientiert sich am tatsächlichen Bedarf: Neun 3-Zimmer-Wohnungen mit je ca. 80 m² und 20 Wohnungen mit je ca. 57 m² Wohnfläche werden realisiert. Alle Einheiten erhalten einen Balkon mit Blick in den begrünten Innenhof Richtung Iller; die Erschließungsflure sind zur Rottachstraße orientiert. Angestrebt wird der Energiestandard „Effizienzhaus 40“, die Wärmeversorgung erfolgt über das CO2-arme Kemptener Fernwärmenetz, ein Retentionsdach übernimmt die Regenrückhaltung. Gestaltungsbeirat und Planungs- und Bauausschuss der Stadt Kempten haben die planungsrechtlichen Grundlagen bereits befürwortet. Der Rückbau erfolgte im Frühjahr 2026, sodass nach Freigabe der Fördermittel mit der Umsetzung begonnen werden kann. 29 Wohnungen im Herzen Kemptens – Ersatzneubau mit Methode Umbau/Sanierung Haus Hochland 2 Das Haus Hochland wurde Anfang der 1970er-Jahre als Soldatenheim errichtet und danach über Jahrzehnte als Restaurant mit Saalbetrieb sowie als Vereinstreffpunkt genutzt – bis Ende 2024 zuletzt als Erstaufnahmestelle für Geflüchtete. Im Sommer 2024 begann die Sozialbau mit der Suche nach einer Neunutzung, die dem Gebäude und dem umliegenden Stadtquartier gleichermaßen neue Impulse verleihen sollte. Ein Glücksgriff für das Quartier Als neuer Mieter konnte die staatlich anerkannte Montessori-Fachoberschule für Gestaltung (MOS, Träger: Augsburger Gesellschaft für Lehmbau, Bildung und Arbeit) gewonnen werden – eine Nutzung, die sich von Beginn an als ideale Lösung erwies. Der Schulträger zeigte sich von Anfang an begeistert vom charakteristischen Charme der 1970er-Jahre-Architektur, den auch die Sozialbau Neues Leben in der Innenstadt bewusst erhalten wollte. Besonders hervorzuheben ist das großzügige Eingangsfoyer mit den offenen Treppenanlagen. Umbau mit Respekt vor dem Bestand Für die neue Nutzung wurde das ehemalige Bühnenhaus vollständig entkernt, vom Saal getrennt und auf drei Etagen mit neuen Unterrichtsräumen – größtenteils als Holzeinbauten innerhalb der bestehenden Gebäudehülle – neu strukturiert. Die bislang geschlossene Fassade wurde im Stil des Bestands mit horizontalen Fensterbändern geöffnet, um eine gute Belichtung der Innenräume zu gewährleisten. Der multifunktional nutzbare Saal blieb in seiner ursprünglichen Größe erhalten. Die ehemaligen Vereinszimmer wurden zu Kunsträumen und Werkstätten umgewidmet. Die Räumlichkeiten des früheren Restaurants stehen den Schülerinnen und Schülern nun als Mensa und Aufenthaltsbereich zur Verfügung; teilweise wurden sie zu Sekretariat und Schulleitungsbüro umgebaut. Die ehemalige Pächterwohnung dient künftig als Lehrerzimmer und Verwaltungsbereich. Technik, Brandschutz und Nachhaltigkeit Durch intensive, interdisziplinäre Zusammenarbeit gelang es, die hohen Anforderungen an Brand- und Wärmeschutz – abgeleitet aus den Vorgaben für Neubauten – unter weitgehender Erhaltung der Bausubstanz umzusetzen. Alle Maßnahmen wurden vorab sorgfältig daraufhin geprüft, was erhalten werden kann und was erneuert werden muss. Sämtliche Fenster wurden ersetzt, die Haus- und Elektrotechnik auf den aktuellen Stand gebracht sowie eine Nahwärmeversorgung installiert. Für einen zeitgemäßen Unterrichtsbetrieb wurde das Gebäude mit moderner IT- und WLAN-Infrastruktur ausgestattet. Ergänzt werden die Maßnahmen durch eine neue, öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge im Bereich der Parkplätze. Nach der eigenständigen Ausgestaltung und Möblierung durch den Schulträger nimmt die MOS den Betrieb im September 2026 auf. Rund 3,6 Mio. € investierte Sozialbau in die Sanierung und den Umbau des Gebäudes. Die Bauzeit reichte vom Frühjahr 2025 bis Mitte 2026. Insgesamt stehen der MOS künftig rund 1.500 m² Mietfläche zur Verfügung.

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